18. Januar 2012   | Neuer Kommentar

Indonesien: Trotz HIV – Fitri geht seinen Weg

(IP) Unter dem Titel „Licht am Ende des Tunnels“, bloggte Michael Yudha im August über die Situation von Drogenabhängigen in Indonesien. Diesmal erzählt er uns die Geschichte von Fitri, einem Intersexuellen, der durch Prostitution mit dem HIV-Virus infiziert wurde und nun mit Hilfe von der NGO Mitra Alam versucht, in ein normales Leben zurückzufinden. Aber lest selbst…

(MY) „Für mich ist es immer noch ungewohnt, nachts nicht arbeiten zu gehen, so wie ich es immer in den Jahren zuvor getan habe. Die 1 Million Rupien (ca. 80 EUR) Fördergeld, welche ich von Mitra Alam bekommen habe, investierte ich in die Gründung einer kleinen Näherei. Mittlerweile bekomme ich Aufträge Babykleidung zu nähen. Dadurch muss ich nachts nicht mehr so oft arbeiten gehen wie früher.“ Das ist die Geschichte von Fitri Hartono, ein Intersexueller, der seine Lebensgeschichte während eines Treffens der HIV/AIDS Referenzgruppe in Solo erzählte. Wie so viele andere wurde Fitri durch finanzielle Not in die Prostitution gezwungen, durch welche er sich mit dem HIV-Virus infizierte. Heute versucht er mit Hilfe von Mitra Alam, einer regionalen NGO in Solo und eine Partnerorganisation von Caritas international, sich ein besseres Leben aufzubauen.

Fitri HartonoFitris Familie ist sehr arm und kommt aus einer der ländlichen Gegenden Javas. In diesen Gegenden werden Intersexuelle oft diskriminiert und meist gibt es außer der Prostitution keine Einkommensmöglichkeiten für sie. Er und 34 andere aus der Selbsthilfegruppe haben von Mitra Alam ein kleines Startkapital erhalten, um sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Manche haben ihr Geld schon investiert und verkaufen nun beispielsweise Handy Sim Karten, betreiben Hühnerzucht oder eine Näherei. Neben der finanziellen Unterstützung bekommen sie von Mitra Alam auch Unterstützung im Management ihrer kleinen Unternehmen. Alle Mitglieder der Selbsthilfegruppe von Mitra Alam leben in oder nahe bei Solo Raya, Temanggung, Salatiga und Semarang; Städte im Landesinneren auf Java. Diese Städte verzeichnen jedes Jahr eine steigende Anzahl von HIV/AIDS Fällen, vor allem durch Infizierte, die zu den Hochrisikogefährdeten gehören, wie beispielsweise Drogenabhängige und Prostituierte.  

Im Jahre 2010 von der indonesischen Regierung erhobene Daten zeigen auf, dass sich die Mehrheit der Infizierten durch heterosexuelle Kontakte ansteckt. Hausfrauen und kleine Kinder eingeschlossen. Meistens ist es der Vater, der ein Infektionsrisiko eingeht, wenn er zu einer Prostituierten geht und zu Hause dann seine Frau ansteckt. Im „Bestfall“ weiß er nicht, dass er infiziert ist. Im schlimmsten Fall wissen die Väter von ihrer Infizierung, möchten aber ihre Familien nicht darüber informieren und verschweigen, dass sie den Virus in sich tragen und wo sie sich angesteckt haben. 2011 wurden 627 Menschen in der Region Solo Raya HIV positiv getestet, aber man geht davon aus, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Viele Menschen haben Angst sich testen zu lassen und verschließen lieber die Augen vor der Realität.

Nächstes Mal erzähle ich euch, wie Fitri sich dazu entschloss, einen AIDS Test zu machen.

Euer Michael Yudha


Asien

Über Michael

Michael (MY) Michael Yudha, Projektberater von Caritas international in Indonesien für ER/DRR (Emergency Response/Disaster Risk Reduction) und Gemeindeentwicklungsprojekte. Während meiner Arbeit höre ich viele interessante und emotionale Geschichten, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>